Jahrestagung der DGfE-Kommission Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft (KEBiM) der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft
Bewegungen sind für pädagogische Kontexte und die Erziehungswissenschaft im Allgemeinen sowie für die erziehungswissenschaftliche Migrations- und Rassismusforschung im Spezifischen konstitutiv. Prozesse von Erziehung und Bildung sind grundlegend mit Transformation und Transformations-ansprüchen verbunden und zugleich aufgrund ihrer Verwobenheit mit gesellschaftlichen Ordnungen beständig in Bewegung. Diese Bewegungen sind vielschichtig, vielgestaltig und sowohl epistemisch als auch affektiv und politisch zu verstehen, etwa als Verschiebung, Resonanz, Widerstand, Beharren und Entzug.
Mit Blick auf die Vielschichtigkeit und Vielgestaltigkeit lässt sich Migration als Bewegung im pluralen Sinne begreifen: als räumliche, soziale und symbolische Praxis, die Zugehörigkeiten transformiert und zugleich geographische, materielle, symbolische und epistemische Grenzen sichtbar macht, infrage stellt und beständig neu verhandelt.
Bewegungen können dabei als soziale Bewegungen analysiert werden. Sie sind mit Bildungsprozessen verbunden und werden von kollektiven Kämpfen getragen, die Veränderungen und Transformationen gesellschaftlicher Ordnungen erst ermöglicht haben und ermöglichen. Bewegungen zeigen sich auch epistemisch, im Wandel von Diskursen und Wissensordnungen.
Sie bewegen die erziehungswissenschaftliche Migrations- und Rassismusforschung, etwa über die Weiterentwicklung theoretischer und methodologischer Zugänge, Aufmerksamkeiten und Begriffe.
Die Umbenennung der Kommission in 2023 von „Interkulturelle Bildung“ in „Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft“ kann als Ausdruck dieser Bewegungen, vielleicht auch als Gegenbewegung, verstanden werden.
In einem dekolonialen Verständnis lassen sich zudem Grenzen und Begrenzungen von Bewegungen in der Wissenschaft fokussieren und zugleich widerständige Praktiken deutlich und verstehbar machen – als Entgrenzung und Infragestellung hegemonialer und westlicher Wissensordnungen. Solche Bewegungen von Diskursen und Theoriebildung verweisen auf historische Kontinuitäten kolonialer und rassistischer Strukturen, in denen auch die Erziehungswissenschaft situiert ist.
Gegenwärtig scheinen in Bezug auf migrationsgesellschaftliche Ordnungen Dynamiken und Verschiebungen von Diskursen, Sagbarkeiten und konkreten Praktiken relevant, die zugleich auf Kontinuitäten und Brüche gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse verweisen und pädagogische Kontexte der Erziehung und Bildung bewegen. Das Erstarken autoritärer, rechter und rechtsextremer Kräfte, die Zunahme antisemitischer und rassistischer Übergriffe, die Normalisierung antidemokratischer und menschverachtender Positionen sowie deren Aushandlungen und Wirksamkeit in pädagogischen Feldern sind für die Erziehungswissenschaft bedeutsam und bewegen auch uns und unsere Forschung.
Vor diesem Hintergrund soll die KEBiM Tagung 2026 einen Raum für Diskussion, Austausch und gemeinsame Bewegungen schaffen.